"Pionier Quartier" Speyer Nord

Mit einem Bürgerentscheid (auf Grund des einstimmigen Ratsbeschlusses vom 23.09.2020) werden Bürgerinnen und Bürger von Otterstadt darüber entscheiden, ob auf der Gemarkung Otterstadt, keine 450 m Entfernung vom Dorf ca. 14 ha Ackerland zur Erschließung von Gewerbegebiet  versiegelt werden oder nicht. Das von Speyer initiierte Wohn- und Gewerbebauprojekt ist ein sehr einschneidendes, gewichtiges Vorhaben

 

WIR MEINEN:

Örtlich wie global würde die Realisierung des Pionier Quartiers, also eine enormen Versiegelung von landwirtschaftlicher Fläche, eine massive Verarmung bedeuten in Hinblick auf:

 

  • Landschaftsbild und Lebensqualität
    durch die enge Umbauung des Dorfes rückt Verkehr und Lärm näher

  • Der Luftgürtel ist in Zeiten der Heiß-Sommer, hervorgerufen durch den Klimawandel unverzichtbar

  • Offene Böden dienen dem Erhalt von Grundwasser

  • Böden ernähren uns regional, was sich auch global auswirkt

  • Ackerböden tragen dazu bei den CO2-Ausstoß zu minimieren, also ebenso eine globale Wirkung.

Zitat aus: Regionalpan Metropolregion Rhein-Neckar
(15. Dezember 2017, S.21; zuletzt Februar 2020, Seite 24)

 „Der Boden ist in das komplexe Wirkungsgefüge des Naturhaushalts eingebunden und wirkt sich in vielfältiger Weise auf andere Naturgüter aus. Die Ansprüche an den Boden haben sich in den letzten Jahrzehnten unter den engen räumlichen Verhältnissen einer intensiven Industrie-, Agrar und Siedlungswirtschaft enorm gesteigert. Der Boden ist ein nicht vermehrbares Gut. Er bedarf deshalb als natürliche Lebensgrundlage der Lebewesen, einschließlich des Menschen, eines besonderen Schutzes. Es gilt vor allem, den Gefahren langfristiger und zum Teil irreversibler Belastungen vorzubeugen, um die Lebensgrundlage für künftige Generationen zu erhalten. (…)

 

 

Unsere 64 Fragen in 9 Themenblöcken an die Stadt Speyer.

Auf einer Sitzung der Sprecher aller im Otterstadter Gemeinderat vertretenen Parteien am 13.05.2020 wurden neun von der Verwaltung ausgearbeitete Fragen zum Pionierquartier vorgestellt. Es erging die Aufforderung, weitere Fragen zu stellen. Diese sollten dann persönlich zur Beantwortung an die Stadt Speyer und Frau Seiler übergeben werden.

 

Unser Ratsmitglied Eckhard Sans hat am 21.05.2020 diese 64 Fragen zu einigen ökonomischen Gesichtspunkten erstellt und an alle Parteiensprecher im GR Otterstadt verschickt.  mehr lesen ... (PDF)

 

Es fehlen also noch die ökologische und landschaftliche Bedenken wegen 

  • Flächenversiegelung
  • Veränderung des Ortsbildes von Otterstadt (Einfahrt durch ein Industriegebiet wie nach Hockenheim oder Mutterstadt)
  • Unvereinbarkeit des Stadtratsbeschlusses SP zum Klimanotstand mit dieser Versiegelung
  •  Verantwortung für die Bereitstellung/Anbau von Nahrungsmitteln.
    Gute, beregnungstechnisch erschlossene Ackerböden gehen für immer verloren.
  • Der Wind weht meist aus Süd bis Südwest. Die bisherigen Bewohner von SP-Nord bekommen der Lärm der A61 wenig mit. Den Lärm der B9 dagegen schon (siehe Bürgerinitiative für Tempo 70 vor ein paar Jahren). Die zukünftigen Bewohner des Wohngebietes Pionier Quartier sind nördlich der A61 gelegen und bekommen den Verkehrslärm voll ab. Wir in Otterstadt hören z.B. den Lärm der A61 und der Rennen in Hockenheim ziemlich laut. Nicht gerade menschenfreundlich, diese neue Siedlung.

 

 

Nach unserer Kenntnis wurden diese Fragen nicht an Speyer weitergereicht.
Die Fragen seien zu konkret und zu detailliert...

Wir sind nach wie vor der Meinung, dass ohne Beantwortung unserer Fragen ein qualifizierter, seriöser Ratsbeschluss oder Bürgerentscheid nicht möglich ist. Das ist eine Investition, die noch in Jahrzehnten die Haushalte von Speyer und Otterstadt belasten wird. Zu vielen Fragen kann man heute (noch) keine Antwort geben. Aber es muss eine Abschätzung getroffen und die Grundlagen/Annahmen für diese benannt werden. Und es gibt Erfahrungen aus der Vergangenheit, die man heranziehen kann.


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Kommentare: 3
  • #1

    Alfred Brechensbauer (Montag, 30 November 2020 10:52)

    Gefühlte 1000 Einzelfragen, die auf Antwort warten, aber sind einzelne Antworten entscheidend?
    Für mich ist die Abwägung zwischen 2 Hauptargumenten wichtig:
    Auf der einen Seite die vage Hoffnung der Stadt Speyer und einzelner Kommunalpolitiker in Otterstadt auf zukünftige Gewerbesteuereinnahmen, auf der anderen der unwiderrufliche Verlust riesiger Flächen wertvollen Ackerlandes auf Otterstädter Gemarkung.

  • #2

    Jörg Hoffmann (Sonntag, 06 Dezember 2020 12:00)

    1. In welcher Größenordnung liegt der zu erwartende Verlust an beregnungfähiger Ackerfläche durch folgende ausstehende bzw. drohende Projekte :
    -1.Deichverlegung
    -2.Ölbohrung
    -3. Ausbau 6-spurig der A 61

    ???

    Hier wird es ggf. eher wenig Mitsprachemöglichkeit geben.

    2. Warum bedient Sich die Stadt Speyer bei einem Bedarf
    an Baufläche nicht an Ihrem dauerhaft-defizitären
    Flughafen ?
    Im Angesicht überfälliger Maßnahmen zum Zwecke
    der Abwehr der Klimakatastrophe , kann dieses
    Millionen-Geldgrab doch keine Zukunft haben.

  • #3

    Eckhard Sans (Sonntag, 06 Dezember 2020 20:47)

    Lieber Herr Hoffmann,
    Herzlichen Dank für Ihre Fragen. Ich versuche eine Antwort.

    Zu 1.:
    Das gesamte Gelände ist beregnungstechnisch erschlossen, vielleicht mit Ausnahme des direkten Kasernengeländes. Insgesamt sind das 40 ha, davon 14 ha reines Ackerland auf Otterstadter Gemarkung.

    Man sollte nicht vergessen, dass das "Ei" nördlich der K23 nur - Zitat aus der Homepage der Stadt Speyer zum PQ: "... zur Zeit nicht weiter verfolgt" wird.

    Die Ölbohrung hat meines Wissens 2 ha.
    Über die anderen angefragten Gebiete muss ich selber erst Erkundigungen einziehen.

    Zu 2.:
    Mir war schon immer ein Rätsel, wofür Speyer überhaupt einen Flugplatz braucht. Der nächste ist in Mannheim-Feudenheim, und der hat noch jede Menge Kapazitäten frei. Von Speyer nach Feudenheim fährt man in 20 Minuten auf der Autobahn. Und die meisten Nutzer sind laut RHEINPFALZ Geschäftsleute der BASF. Die wären nach Feudenheim keine Minute länger unterwegs.

    Ich versuche, Ihre verbleibenden Fragen zu klären.

    Herzliche Grüße
    Eckhard Sans